Marketing durch Astroturfing

Falsche Behauptungen und erfundene Lobgesänge

Kunstrasen

Marketing durch Astroturfing ist langfristig wohl keine gute Idee (abgesehen davon, dass es auch nicht legal ist). Es kann einer Marke mehr schaden als nutzen. Dennoch ist es aber verständlich, dass es reizvoll sein kann in Foren und auf populären Produktseiten Bewertungen in großem Stil zu fälschen.

So berichtet das online Magazine The Verge beispielsweise in Samsung fined $340,000 for faking online comments, dass Samsung mal wieder eine große Anzahl bezahlter Autoren und ausgewählter Angestellter benutzt hat, um in Foren und anderen Online Plattformen eigene Produkte zu loben und Konkurrenzprodukte schlecht zu reden. Netzpolitik.org berrichtete 2011 Verdacht auf Microsoft-Astroturfing an deutschen Unis. Bereits 1999 fragte das bekannte Wired Magazine Is MS Preening in Public Posts? und schrieb:

A Microsoft spokeswoman denied allegations Thursday afternoon that the company is encouraging its employees to lie in public forums. A message posted to a discussion forum on computer-trade site ZDNet and purporting to be from a former employee, accuses the company of urging employees to post fake comments supporting the company’s side in the ongoing Microsoft antitrust trial.

Astroturfing? Astroturfing ist das Vortäuschen hoher Beliebtheit oder anderer Qualitäten und Vorzüge durch Falschaussagen, erschwindelte Produkt Reviews oder Abwertung von Konkurrenzprodukten in großer Zahl. Astroturfing ist also der Versuch das eigene Image anzukurbeln, indem man falsche Kommentare postet, falsche Empfehlungsschreiben verfasst oder falsche Bewertungen und Produktbesprechungen mit der Absicht erdichtet, Konsumenten und potentielle Käufer oder andere Zielgruppen hinters Licht zu führen.

Astroturfing betrifft alle möglichen Produkte und Dienstleistungen. Es ist ganz allgemein eine Propaganda Form, also ein absichtlicher und systematischer Versuch, Sichtweisen zu formen, Erkenntnisse zu manipulieren und Verhalten zum Zwecke der Erzeugung einer vom Propagandisten erwünschten Reaktion zu steuern (Wikipedia).

Werbung und Marketing das auf Falschaussagen und unwahren Behauptungen beruht ist in vielen Ländern verboten. In Europa ist beispielsweise seit 2008 die Unfair Commercial Practices Directive in Kraft. Dort heißt es:

In particular, the Directive will oblige businesses not to mislead consumers through acts or omissions; or subject them to aggressive commercial practices such as high pressure selling techniques. The Directive also provides additional protections for vulnerable consumers who are often the target of unscrupulous traders.

Woher kommt der Begriff Astroturfing? Angeblich wurde er 1985 zum ersten Mal in der hier beschriebenen Bedeutung von einem US Senator benutzt. Dieser beschwerte sich über eine Menge Briefe die offenbar von einer kleinen Gruppe stammten aber großes Interesse in der Bevölkerung vortäuschen sollten. Astroturf war damals eine sehr bekannte amerikanische Firma die künstlichen Rasen herstellte. Saftig grüner, gesund aussehender, perfekt gepflegter Kunstrasen der einen echten Naturrasen vortäuscht.

Ein berühmter Baseball Spieler soll auf die Frage, was er denn lieber möge – Astroturf oder Gras geantwortet haben: Ich weiß es nicht. Ich habe Astroturf nie geraucht.

(Bild: Artificial turf von Håkan Dahlström)

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Informationsarchitekt und Konferenz-Veranstalter (IA Konferenz, die Konzepter-Konferenz: http://iakonferenz.org, MOBX Mobile UX Konferenz: http://mobxcon.com), Podcaster und Twitter Addict. Geboren in Prag, sesshaft in Berlin.

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