Aufgaben im Usability-Test

Gute Aufgaben führen zu guten Ergebnissen

Aufgaben im Usability Test (Bild: Vetatur Fumare via Flickr)

Aufgaben im Usability-Test sind schnell erstellt, aber wenn man rechtzeitig etwas Grips oder Erfahrung reinsteckt, bekommt man später mehr heraus.

Die berühmte Nielsen Norman Group schreibt in einem Blog Post:

Engage participants by writing task scenarios that are realistic, encourage an action, and don’t give away how the interface should be used.

Der Usability-Test Dienstleister UINSPECT gibt folgenden Tipp zum erfolgreichen schreiben von Aufgaben im Usability-Test:

Schreiben Sie ein lebensechtes Szenario: Der Tester muss sich in die Testsituation möglichst gut hineinversetzen können. Daher sollten Sie ihn mit allen notwendigen Informationen versorgen. Sie können außerdem das Szenario in eine Geschichte verpacken. Auch dies hilft dem Tester sich besser vorstellen zu können, wie ein echter Nutzer denkt und mit welchen Fragen und Problemen er die Webseite besucht.

Im Podcast Usability-Test mit UINSPECT spreche ich über remote usability testing. Ist vielleicht für den Einen oder Anderen hier hörenswert.

Aufgaben im Usability-Test: Tipps und Tricks

Ich sagte es bereits: Aufgaben im Usability-Test sind schnell geschrieben—aber leider eben auch oft falsch geschrieben. Hier ist eine kurze Liste wichtiger Dinge die es bei Aufgaben im Usability-Test zu beachten gilt:

  1. Vorgeschichte, Szenario und Kontext
    Wie bereits im Artikel User Story oder Job Story erwähnt: den Kontext zu kennen ist sehr wichtig. Aufgaben im Usability-Test sollten Lesern immer auch ein wenig den Zusammenhang beschreiben, in welchem eine nachfolgende Usability-Test Aufgabe steht. Kontext gibt der Usability-Test Aufgabe mehr Glaubwürdigkeit. Die Aufgabe fühlt sich echter an. Das hilft Probanden sich besser in die gesamte Situation hinein zu versetzen und den Usability-Test zu absolvieren. Im Englischen spricht man auch von scenario task (im Gegensatz zu direct task—der direkten Aufgabe ohne Vorgeschichte).
  2. Kurz, verständlich und konkret
    Sowohl eine möglicherweise ergänzende Vorgeschichte als auch die Aufgabe selbst, sollten so lang wie nötig aber bitte so kurz wie möglich sein. Es soll deutlich gesagt werden, was der Proband machen soll und so formuliert sein, dass man die Usability-Test Aufgabe nicht erst mehrfach lesen muss bevor man sie halbwegs verstanden hat. Die Aufgabe soll eine eindeutige Lösung haben. Das lässt sich einfach messen und später gut auswerten.
  3. Nur eine Aufgabe pro Aufgabe
    Klar, eine Aufgabe pro Aufgabe klingt naheliegend. Oft sind Aufgaben in Usability-Tests aber zu komplex formuliert und verschachtelt und vollgestopft mit Unteraufgaben auf Nebenschauplätzen. Beispiel: Finden Sie Nike Sneaker, legen Sie sich diese auf Ihren Merkzettel und rufen Sie dann den Warenkorb auf um die Sneaker zu kaufen. Das sind mindestens drei Aufgaben in einer. Wie soll man das vernünftig messen und auswerten? Hat der Proband die Schuhe gleich gefunden, aber den Merkzettel nie entdeckt? Hat er Merkzettel und Warenkorb schnell verstanden, aber nie die passenden Nikes gefunden? Das ist alles zu ungenau und lässt zu viel Spielraum bei der Interpretation der Testergebnisse.
  4. Keine Lösungshinweise in der Aufgabe
    Aufgaben im Usability-Test sollten nichts über den Lösungsweg verraten. Schließlich geht es darum, zu überprüfen ob der Proband die vorgeschlagene Umsetzung versteht und nutzen kann. Beispiel: Klicken Sie auf den ‘Jetzt-schnell-hierlang’ Knopf um Ihren Kauf abzuschließen. In so einer Aufgabe ist die Lösung zu deutlich beschrieben. Vielleicht hätte der Proband den Jetzt-schnell-hierlang Button niemals verstanden. Aber die Usability-Test Aufgabe hat ihm schon zu deutlich gesagt, was er machen muss. Ebenfalls sollte es so wenig wie möglich Hinweise zum Pfad geben den man einschlagen müsste um ein Ziel zu erreichen. Beispiel: Melden Sie sich an und wechseln sie zur Seite ‘Einstellungen’. Versuchen Sie nun Ihr Passwort zu ändern. Das ist schlecht. Der richtige Weg wird dem Probanden vor die Nase gesetzt. Wir wollen aber herausfinden, ob er es auch alleine herausfindet.
  5. Richtige Reihenfolge
    Dieser Punkt ist nicht immer wichtig. Manchmal sind Aufgaben im Usability-Test wirklich alle eigenständig und voneinander unabhängig. Oft ist es aber so, dass es durchaus Sinn macht Usability Tasks aufeinander aufbauen zu lassen. Beispiel: In der ersten Aufgabe muss der Proband den Merkzettel finden und in der zweiten Aufgabe da was reinlegen und in der dritten was löschen. Das gibt uns drei sehr übersichtliche Usability-Test Aufgaben mit eindeutigem Ausgang. Das will man haben.

Das mag Usability-Anfänger vielleicht abschrecken, aber so dramatisch ist es nicht. Usability-Tests machen Spaß und sind immer eine Bereicherung fürs Projekt. Man sollte sich den Spaß daran nicht nehmen lassen. Dennoch schadet es nicht, sich halbwegs vernünftige und gute Fragen und Aufgaben zu überlegen. Gerade Aufgaben im Usability-Test brauchen ein klein wenig Vorbereitungszeit.

Aber, wie gesagt: man sollte sich nicht verrückt machen und das Thema nicht unnötig verkomplizieren. Wie sagt Steve Krug in nachfolgendem Video?

This is how simple I think Usability Testing can and should be.

Aufgaben im Usability-Test: ein letzter Hinweis

Zuguterletzt ein Hinweis: es empfiehlt sich die Probanden zu bitten vor dem Usability-Test die gestellte Usability-Test Aufgabe zusätzlich auch laut vorzulesen. Dadurch können sich Beobachter (zum Beispiel der Usability-Test Moderator) vergewissern, dass die Testperson die Aufgabe tatsächlich lesen konnte und verstanden hat.

Außerdem hat es sich bewährt eine Audioaufzeichnung für spätere Zwecke der Nachbearbeitung zu haben. Ebenfalls positiv wirkt es sich für abwesende Beobachter des Usability-Tests aus. Es kommt durchaus vor, dass in einem Nachbarraum in der Agentur oder irgendwo beim Kunden interessierte Stakeholder sitzen und dem Usability-Test beiwohnen. Wenn der Proband laut vorliest, was er gleich machen wird (oder zumindest machen soll), hilft es den Zuhörern am Ball zu bleiben.

About Jan (501 Articles)
Informationsarchitekt und Konferenz-Veranstalter (IA Konferenz, die Konzepter-Konferenz: http://iakonferenz.org, MOBX Mobile UX Konferenz: http://mobxcon.com), Podcaster und Twitter Addict. Geboren in Prag, sesshaft in Berlin.

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