Designer als Problemmacher

Tausend tolle Sachen die gibt es überall zu sehen

(Bild: Theodore C via Flickr)

Heute habe ich mal wieder in irgendeinem UX Podcast einen meiner derzeitigen „Lieblingssätze“ gehört: design is problem solving. Diese Vereinfachung und Abstrahierung höre ich oft und natürlich habe ich mich selbst auch schon schuldig gemacht:

Je nach dem wie sehr man den Satz unter die Lupe nimmt, ist er auch durchaus ok. Was mir ein wenig Sorgen macht, ist dass Lösungen vordergründig einfacher und reibungsfreier als Probleme sind. Lösungen sind sexy. Lösungen kommen immer gut an. Jemand der mit Lösungen daherkommt ist stets willkommen.

Dennoch ist einer der Jobs-to-be-done Schlachtrufe:

Verliebe Dich in das Problem und nicht in die Lösung!

Warum ist das so? Wie gesagt, Lösungen sind wie Ideen: billig, einfach und meistens keine Herausforderung. Eigentlich muss man von vermeintlichen Lösungen sprechen. Sehr oft stellen sich Lösungen (also Produkte und Dienstleistungen) als Rohrkrepierer heraus.

Marty Cagan, Autor von Inspired: How To Create Products Customers Love, schreibt:

At least half of our ideas are just not going to work. There are many reasons for an idea to not work out. The most common is that the customers just aren’t as excited about this idea as we are.

Warum scheitern Lösungen? Weil man vorher das Problem, welches man lösen will, nicht analysiert und verstanden hat. Weil man sich gleich auf irgend eine Lösung gestürzt hat ohne sich zuvor „in das Problem zu verlieben“. Weil man zu bequem war.

Wer in der Produktentwicklung stellt bei Licht betrachtet unbequeme Fragen, wenn es nicht der Designer oder Konzepter macht? Produkte und Features sollen schnell ausgerollt werden und ob man in die richtige Richtung läuft sieht man dann ja vielleicht beim A/B-Test. Mut zu Fehlern ist eine positive Eigenschaft und fail early das allgegenwärtige Mantra.

Man kann sich das Designer-Leben durchaus bequem einrichten, wenn man nicht nach Qualität verlangt und nicht nach dem Warum fragt. Aber Designer und Konzepter müssen unbequeme Fragen stellen. Das ist ein wichtiger Teil unseres Jobs. Diesen Schritt zu überspringen ist fahrlässig.

About Jan (501 Articles)
<p>Informationsarchitekt und Konferenz-Veranstalter (IA Konferenz, die Konzepter-Konferenz: http://iakonferenz.org, MOBX Mobile UX Konferenz: http://mobxcon.com), Podcaster und Twitter Addict. Geboren in Prag, sesshaft in Berlin.</p>

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