Die Angst vor dem Wasserfall

UX Wasserfall

UX Wasserfall (Bild: William Warby via Flickr)

Man liest und hört täglich wie gefährlich der Wasserfall-Prozess sei. Von allen möglichen Agenturkollegen oder entsprechenden Partnern auf Kundenseite oder Agile Coaches oder Lean UX Experten hört man es: vorsicht vor dem UX Wasserfall!

Hat eigentlich jemals jemand in Webdesign nach Wasserfall gearbeitet? Gibt es in modernem Interaction Design überhaupt ein Wasserfall-Problem?

Will the real waterfall please stand up?

OH: OMG, erst macht sich der Jursa über den Einsatz von Personas lustig und jetzt zweifelt er an der böshaftigkeit von linearen Wasserfall-Prozessen? Was ist blos los mit dem Typ?

Der allseits gefürchtete Wasserfall stammt aus einem Industriezweig in dem die Meisten von uns noch nie gearbeitet haben und der oft wenig mit IT zu tun hat: Produktionstechnik und Bauwesen.

Wasserfall in der Raschelei

(Bild: Huppertsberg via Wikimedia)

Ja klar, je später im Prozess eine Änderung kommt umso teuerer wird es. Das gilt auch abseits der im Bild gezeigten Weberei.

Grundsätzlich hat ein Wasserfall-Prozess nicht nur Nachteile. Beispielsweise kann ein stärkerer Fokus auf Dokumentation in Teams oder Projekten mit hoher Fluktuation sinnvoll sein. Ich habe diverse Scrum-Teams erlebt in denen sich die geforderte wir-schaffen-das Mentalität nie etabliert hat, weil ständig Wissensträger gingen und Neulinge Unruhe in die Gruppe brachten.

Ein Big Design Up Front Ansatz kann helfen Design Schulden abzubauen, beziehungsweise gar nicht erst aufkommen zu lassen (mehr zu Design Schulden hier: Big Design Up Front). Ein linearer Ansatz kann helfen den gesamten Lösungsweg verständlicher und handhabbar zu machen.

Natürlich ist es verkehrt im Webdesign in Silos zu arbeiten und sich ohne Kommunikation Dokumente über die Mauer zu werfen. Aber ebenso sollten wir uns nie die Möglichkeit nehmen von unterschiedlichen Herangehensweisen zu lernen und uns das jeweils Beste für unsere Zwecke herauszupicken.

Wie im Cynefin Framework dargestellt wird, gibt es mehr als nur einen Lösungsraum und dementsprechend auch verschiedene Prozesse die mal besser und mal schlechter passen. Wenn wir uns in Projekten linear von Anfang zum Ende hinbewegen, kann es sinnvoll sein den guten alten Wasserfall aus der Schublade zu holen und sich davon die Teile zu nehmen die in der aktuellen Situation vernünftig erscheinen.

Übrigens: im ursprünglichen Wasserfall-Prozess nach Barry Boehm gibt es nach jeden Schritt sehr wohl eine Feedbackschleife.

About Jan (493 Articles)
Informationsarchitekt und Konferenz-Veranstalter (IA Konferenz, die Konzepter-Konferenz: http://iakonferenz.org, MOBX Mobile UX Konferenz: http://mobxcon.com), Podcaster und Twitter Addict. Geboren in Prag, sesshaft in Berlin.

1 Trackbacks & Pingbacks

  1. Auf dem Software Bau - DESIGNBRIEF

Leave a comment

Your email address will not be published.


*


css.php