Frage zu Antwort Ratio

Auf der Suche nach Fragen

(Bild: Derek Bridges via Flickr)

Wie stellt man fest, ob jemand eine Sache verstanden hat? Die Frage hört sich trivial an, das Problem dahinter (beispielsweise ein Missverständnis) hat aber oft negative Folgen. Man erwartet vielleicht eine bestimmte Zuarbeit oder Unterstützung bekommt aber etwas Anderes, weil der Gegenüber das Thema nicht verstanden hat. Oder man hält einen Vortrag vor einer Gruppe (Team, Kunde, Studenten …) und fragt sich am Ende, ist meine Nachricht rübergekommen? Habe ich die Inhalte gut rüber gebracht? Oder man ist selbst derjenige dem etwas erklärt wird. Woher weiß man, das man die Sache begriffen hat?

Auf der MOBX Mobile UX Konferenz erzählte 2013 Donald Lindsay (Apple Design Director 1994 – 2003) von Steve Jobs’ Eigenart bei seinen Meetings niemandem das Mitschreiben und Notizen machen zu erlauben. Einen Grund dafür sah Lindsay darin, dass Jobs wollte dass man im Meeting Fragen stellte falls man etwas nciht verstanden hatte und das man etwas nicht notieren musste, wenn man es durch und durch verinnerlicht habe.

Tatsächlich scheinen Fragen ein guter Weg zu sein Verständnis zu prüfen. Ich meine aber nicht den schulischen Ansatz, dass Lehrer fragen und Schüler antworten (müssen). Ich spreche von einem selbstreflektierenden Ansatz.

Wenn man etwas verstanden hat, dann ist man in der Lage konkrete Fragen zu stellen. Einfache oder komplexe Fragen. Fragen die das betrachtete Thema im Kern beleuchten oder Fragen die auf verwandte Sachverhalte abzielen.

Als Faustregel gilt: wenn man zu einer Situation oder Anforderung keine Frage hat, dann kann man sich sehr sicher sein, dass man es noch nicht verstanden hat.

Im Buch The Innovator’s DNA: Mastering the Five Skills of Disruptive Innovators sprechen die Autoren von der Q/A Ratio. Das Frage-zu-Antwort Ratio soll möglichst hoch sein. Die Autoren haben bei ihrer Recherche beobachtet, dass besonders erfolgreiche Erfinder und Gestalter einen hohen Frage-zu-Antwort Quotienten haben. Sprich, sie stellen immer viele Fragen.

Das Buch rät seinen eigenen Q/A Quotienten kritisch zu beobachten und sogar sich zu notieren wie man von Meeting zu Meeting oder von einem Projekt zum nächsten performt hat.

Das Q/A Verhältnis soll möglichst mehr Frage als Antworten dokumentieren. Hat man beispielsweise nach einem Meeting ein sehr kleines Frage-zu-Antwort Ratio, hat man also wenige oder sogar keine Fragen gestellt, so war die eigene Beteiligung an der Besprechung höchst wahrscheinlich unnötig oder sogar Zeitverschwendung.

Disruptive innovators we interviewd consistently displayed a high Q/A ratio, where questions (Q) not only outnumbered answers (A) in a typical interaction, but good questions generated greater value than good answers.

Wenn man anfängt auf sein eigenes Frage-zu-Antwort Ratio zu achten, etabliert sich vielleicht schon bald eine allgemein gut Frage-Kultur in der Organisation in welcher man arbeitet. Das hat viele positive Effekte.

About Jan (501 Articles)
Informationsarchitekt und Konferenz-Veranstalter (IA Konferenz, die Konzepter-Konferenz: http://iakonferenz.org, MOBX Mobile UX Konferenz: http://mobxcon.com), Podcaster und Twitter Addict. Geboren in Prag, sesshaft in Berlin.

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