Gute Designer programmieren nicht

Ein Traum geht in Flammen auf

Entering The Flames photo by tarotastic

Im Artikel Why Being a Web Designer Who Codes Is Way Cooler wird argumentiert, dass Webdesigner wirklich lernen sollten wie man programmiert. Sie werden dadurch in Projekten flexibler (sind auch mal als Entwickler einsetzbar), Projekte laufen besser, weil Designer Entwicklern besser zuarbeiten können und es ist eigentlich auch ganz einfach. Jeder kann es erlernen.

Yes! You heard it right. I know my statement might cause more than a few good and bad reactions. Some of you might look at me now frustrated and angry. Before you pass your judgement, I encourage you to read this and understand as I talk about why I think that web designers should learn how to code.

Das ist natürlich völliger Unsinn. Im Beitrag Why designers should not code… anymore wird dagegen argumentiert:

These days every designer must have their own arsenal of skills to deal with way more complicated interfaces then ever before. (…) In an era of flat design, designers must be able to design with minimalism in a content-overloaded environment and also have the skills to create uniqueness when a lot of apps look the same.

Das sehe ich auch so. Ein Designer hat heutzutage schon genug mit sich selbst zu tun (und mit eventuellen Verantwortlichkeiten im Bereich Marketing oder in der Rolle eines Product Owners beispielsweise). Er wird kaum Zeit und Energie haben auch nur zwei der vielen Programmiersprachen zu erlernen, die derzeit so in Web und App umherschwirren.

Dieser Sichtweise wiederspricht The Myth of the Myth of the Unicorn Designer.

Picking up Python won’t make you forget how to kern. We all have many years ahead of us in our careers, and they can be used to learn anything. The central counter-argument here is that any learning comes with opportunity cost. Learning Python might very well take up time that you would otherwise use for studying, say, product management. This is true, in theory. But in practice, most designers I know, including myself prior to joining Quora, are not learning at their maximum rate.

Der letzte Beitrag enthält ein paar sehr lesenswerte Kommentare von bekannten Persönlichkeiten. Beispielsweise diesen hier von Bruce Tognazzini (Autor von Tog on Interface by Tognazzini (Addison-Wesley Professional 1992):

Steve Jobs, who held nothing but distain for people who announced themselves as UX specialists, surrounded himself with engineers with strong UX instincts. Paradoxically, he himself was probably the best UX specialist our young industry has known, with an almost unerring feel of what does and does not belong in a new product.

Selbstverständlich sollten Designer und Entwickler viel voneinander wissen und verstehen um besser kommunizieren zu können. Aber ein wirklich guter Designer der auch wirklich programmieren kann? Habe ich noch nie gesehen (und ich kenne ein paar wirklich gute Designer).

Natürlich gibt es viele bestenfalls mittelmäßige Designer welche die eine oder andere Programmiersprache beherrschen und selbstverständlich gibt es Entwickler die halbwegs sicher etwas gestalten können. Klar. Aber ich lege mich fest: ein wirklich herausragender Designer wird niemals gut programmieren können.

About Jan (501 Articles)
Informationsarchitekt und Konferenz-Veranstalter (IA Konferenz, die Konzepter-Konferenz: http://iakonferenz.org, MOBX Mobile UX Konferenz: http://mobxcon.com), Podcaster und Twitter Addict. Geboren in Prag, sesshaft in Berlin.

1 Comment on Gute Designer programmieren nicht

  1. Danke für die Zusammenfassung, Jan. Auch wenn ich deiner Schlussfolgerung nicht ganz zustimmen kann. In der Mehrzahl der Fälle mag es zwar zutreffen, aber anhand von Leuten wie z. B. Ben Fry lässt sich leicht erkennen, *dass* sich entsprechende Mehrfachbegabungen durchaus auf exzellentes professionelles Niveau entwickeln lassen. Letztlich ist es «nur» eine Frage der Intensität und Konsequenz, mit der das verfolgt wird (mitsamt der Opfer, die dafür in anderen Lebensbereichen gebracht werden). Die meisten Menschen setzen ihre Prioritäten allerdings mit Fug und Recht anders.

    Die Fragestellung sollte m. E. allerdings eh eine andere sein, nämlich: «Ist es sinnvoll, wenn Spezialisten *mindestens* wesentliche Grundlagen mindestes der wichtigsten Disziplinen beherrschen, zu denen sie Schnittstellen besitzen?» Und das kann man hoffentlich uneingeschränkt bejahen (unter der Voraussetzung echter Expertise in wenigstens einem eigenen Kernbereich).

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