Minimum Viable Product

Minimum oder Minimal?

SurfaceWarriors

Es kann durchaus sein, dass ich im Alter immer pedantischer werde. Aber es hat mich auch früher schon gewurmt, wenn ich nicht wußte wie etwas richtig heißt. Ich kannte Consultants die konnten Java nicht von JavaScript unterscheiden und haben die Begriffe im Kundengespräch gerne mal verwechselt. Oder ein Kollege sagte user case anstatt use case. Das hat mich immer irre gemacht.

Aktuell geht es mir so mit MVP: Minimum Viable Product … oder heißt es Minimal Viable Product?

Eric Ries kennt man heutzutage. Er ist der Autor von Lean Startup: Schnell, risikolos und erfolgreich Unternehmen gründen. Darin beschreibt er das MVP Konzept wie folgt:

Once clear on these leap-of-faith assumptions, the first step is to enter the Build phase as quickly as possible with a minimum viable product (MVP).

Im Buch wird Steve Blank’s Minimum Feature Set zitiert.

The reality is that the minimum feature set is 1) a tactic to reduce wasted engineering hours (code left on the floor) and 2) to get the product in the hands of early visionary customers as soon as possible. You’re selling the vision and delivering the minimum feature set to visionaries not everyone.

Und weiter heißt es bei Steve Blank:

Most customers will not want a product with a minimal feature set. In fact, the majority of customers will hate it.

Ist es also nun egal, ob man minimum oder minimal sagt? Ich habe etwas herumgefragt.

Der Amerikaner, Autor und Informationsarchitekt James Kalbach (Designing Web Navigation: Optimizing the User Experience und Experiencing Information) schrieb mir:

Semantisch gibt es schon einen kleinen Unterschied zwischen MUM und MAL. Ein „minimal product“ ist ein Produkt das vollkommen ist, aber gerade genug ist um „Produkt“ zu heissen. Ein „minimum product“ ist vielleicht nicht vollkommen, aber genug um „viability“ zu testen.

Und genau da ist die wichtigere Frage: ein MVP ist nicht unbedingt ein Produkt im Sinne von „launchable product“. Es ist nur genug, um eine Annahme oder Hypothese zu testen. „Minimum Testable Artefact“ ist vielleicht besser oder sogar „Minimum Testable Experience“. Der Punkt ist „viability“ zu bestätigen, nicht etwas zu bauen. Lean Startup ist keine Engineering-Methode. Es geht nur um Entrepreneurship.

Also semantisch sollte der Fokus auf „Produkt“ liegen und was eigentlich damit gemeint ist, denke ich, weil da läuft alles schief, egal ob minimal oder minimum verwendet wird.

Übrigens: James Kalbach war vor einiger Zeit auch zu Gast im AKW Podcast. Wer es noch nicht gehört hat, sollte das unbedingt noch nachholen: AKW015 Alignment Diagrams zwischen Air Sandwich und Value-centered Design.

(Bild: SurfaceWarriors)

About Jan (501 Articles)
Informationsarchitekt und Konferenz-Veranstalter (IA Konferenz, die Konzepter-Konferenz: http://iakonferenz.org, MOBX Mobile UX Konferenz: http://mobxcon.com), Podcaster und Twitter Addict. Geboren in Prag, sesshaft in Berlin.

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