Besser gestalten mit Pair Design

Gemeinsam bei der Sache

Pair Design als wichtiger UX Prozess (Bild: Benson Kua via Flickr)

Wenn man Alan Cooper (den Vater von UX Personas) fragt, was die größte Prozess Innovation sei, die er vor vielen Jahren in seiner Agentur eingeführt habe und auf die er besonders stolz sei, dann sagt er … Pair Design. Richtig, es sind nicht Personas sondern Pair Design. Was aber ist Pair Design eigentlich?

Pair Design à la Cooper

Pair Design ist der Prozess bei welchem zwei Designer an dem selben Projekt arbeiten. Es sind aber nicht einfach irgendwelche Designer. Cooper teilt seine Designer (zumindest in Pair Design Teams) in Generatoren und Synthesizer ein.

Generatoren sind, was man wohl grafisch veranlagte Visual Designer nennen könnte. Die Synthesizer sind eher konzeptionell denkende Interaction Designer. Auf das alte Taktik gegen Strategie Tauziehen übertragen, sind die Generatoren die Taktiker und die Synthesizer die Strategen.

Christopher Noessel gibt in obigem Video folgende drei Tipps für erfolgreiches Pair Design:

  1. Es gibt nur einen Stift im Raum: man arbeitet gleichzeitig an dem selben Design und während einer zeichnet muss der andere zuhören (oder konstruktiv kritisieren).
  2. Für Generatoren: show, don’t tell. Zeige grobe Designentwürfe die eine Idee erklären. Eine reine mündliche Beschreibung reicht nicht aus.
  3. Für Synthesizer: konstruktive Kritik nach dem Muster a) loben, b) nachfragen, c) Verbesserungen vorschlagen

Pair Design bedeutet nicht, dass eine Person alleine etwas gestaltet und dann jemanden um Feedback fragt. Bei Pair Design haben sich beide Beteiligten die Hände schmutzig gemacht und dasselbe Eisen im Feuer. Es geht auch nicht um Kollaboration, bei welcher man seine kreativen Phasen im stillen Kämmerlein mit kurzem gegenseitigem Austausch oder Brainstorming unterbricht, aber dann wieder in das jeweilige Kämmerlein zurückkehrt.

The generator is the one whose job is to fearlessly generate design ideas; to walk up to the whiteboard or OneNote page, draw some designs, and say, “OK, here’s how I’m thinking it will work for the persona.” The gen, working with visual design, makes the design solution visual; first with hand drawings, then in illustration software.

… schreibt Chris Noessel in Pairaphors: Explaining PD (metaphorically). Und er fährt fort:

The synthesizer is the one whose job is to insightfully keep challenging, improving, and synthesizing the design into a whole. As the “gen” posits ideas, the “synth” will ask questions, help analyze, improve, and iterate it. The synth describes the behavior in words, incorporating the gen’s drawings to create a design specification.

Laut Cooper hat Pair Design viele Vorteile. Die meisten liegen natürlich auf der Hand:

  • Zwei Gehirne sind besser als eins
  • Man arbeitet fokussierter
  • Man kann sich in Krankheitsfällen besser ersetzen
  • Durch regelmäßiges neumischen der Design-Teams verbessert man die allgemeine Design-Kultur
  • Es macht mehr Spaß zu zweit an etwas zu arbeiten

Pair Design ist also im Prinzip wie Pair Programming—nur eben mit Designern. Es ist übrigens nicht mit Co-Creation zu verwechseln. Co-Creation ist eine Zusammenarbeit zwischen Produzenten und Konsumenten, also Beispielsweise Designern und Nutzern. Das ist natürlich auch nicht schlecht, aber darum geht es bei Pair Design nicht.

Pair Design mit Konzeptern

Hat man Konzepter in der Agentur oder Firma, so ist man schon auf dem besten Weg zu Pair Design. Denn wo es Konzepter (Interaction Designer) gibt, sind Designer (UI- oder Visual Designer) nicht weit. Da Konzepter und Designer meistens im Projekt irgendwie eh schon zusammen arbeiten, muss man diese nur noch räumlich zusammen bringen und das lineare erst-A-dann-B so weit verdichten, dass beide gleichzeitig und gemeinsam zusammenzuarbeiten beginnen.

Pair Design hört sich wirklich vielversprechend an. Man darf aber nicht vergessen, dass Cooper (wie viele andere „Usability-Agenturen“ da draußen) sehr viel Design-Erfahrung aber nur sehr wenig Entwicklungs-Erfahrung haben.

Hier lehne ich mich tatsächlich sehr weit aus dem Fenster. Ich bin ein großer Fan der Arbeit von Cooper und der Bücher von Alan Cooper, habe aber noch nie mit der Agentur zusammengearbeitet. Dennoch gibt es auch in Deutschland diverse, sagen wir mal „Service-Design-Thinking Agenturen“, die große Design-Theorien verfechten, aber selbst keine Entwickler, POs, QAler oder Scrummies inhouse haben. Es ist also nie ganz klar wie realitätsnah (im Sinne von: die meisten Agenturen und viele Firmen vereinen Designer und Entwickler unter einem Dach) solche Design-Theorien sind.

Nichtsdestotrotz scheint mir Pair Design ein guter und vielversprechender Design-Prozess zu sein, den auszuprobieren sich sicherlich lohnt.

About Jan (501 Articles)
Informationsarchitekt und Konferenz-Veranstalter (IA Konferenz, die Konzepter-Konferenz: http://iakonferenz.org, MOBX Mobile UX Konferenz: http://mobxcon.com), Podcaster und Twitter Addict. Geboren in Prag, sesshaft in Berlin.

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