Presumptive Design

Buchbesprechung

(Bild: reketentim via Flickr)

Presumptive Design ist ein mehr oder weniger neues UX Prozess Konzept und ein neues Buch. Nachdem ich in Teil Eins von Presumptive Design etwas weiter ausgeholt habe, will ich hier in Teil Zwei näher auf das Buch eingehen.

Presumptive Design: das Konzept

Presumptive Design geht davon aus, dass nichts was wir im Projektalltag machen jemals perfekt sein wird. Vielmehr wird alles was wir vorallem zu Beginn eines Projektes erstellen wirklich falsch sein. Das soll uns aber nicht daran hindern überhaupt etwas zu machen. Schließlich kann man es (theoretisch) später korrigieren und verbessern.

Gut, jetzt kann man sagen: Einfach mal los laufen? Nachdenken kommt später. Mut zu Fehlern (und Feigheit vor Qualität)? Das hört sich nach Scrum an.

Das Konzept von Presumptive Design betont das iterative Nachbessern. Wichtig dabei ist, dass man immer und immer wieder seine kleinen Zwischenergebnisse Stakeholdern und Nutzern zeigt und natürlich immer wieder eines Besseren belehrt wird. Man wird gescholten, bekommt das Konzept oder Design um die Ohren gehauen und korrigiert. Dabei lernt man viel über das Projekt und die echten Anforderungen. Am Ende wird dann alles gut—falls man bis zum Ende durchgehalten hat.

Presumptive Design: das Buch

Presumptive Design ist ein auf Design Thinking basierender Recherche-Prozess. Das schnelle, kreative Konzipieren und Gestalten dient dabei als Mittel zum Zweck. Folgende fünf Prinzipien von Presumptive Design werden im Buch vorgestellt und erläutert:

  1. Design to Fail
  2. Create, Discover, Analyze
  3. Make Assumptions Explicit
  4. Iterate, Iterate, Iterate
  5. The Faster You Go, the Sooner You’ll Know

Das Buch Presumptive Design (von Leo Frishberg und Charles Lambdin) ist in drei Kapitel aufgeteilt:

  1. Context
  2. Principles and Risks
  3. How-to Manual and Recipes

Das Kontext-Kapitel ist eine gute Einführung. Es besteht aus folgenden Unterkapiteln:

  1. Introducing Presumptive Design
  2. Presumptive Design and Design Thinking
  3. Presumptive Design and an Agile Way of Business

Im zweiten Teil Principles and Risks werden die bereits oben erwähnten fünf Prinzipien ganz genau betrachtet. Im letzten Teil gibt es konkrete Tipps und Tricks und diverse Handlungsempfehlungen (aka Rezepte).

Mit 434 Seiten ist Presumptive Design kein kurzes Buch. Die Autoren gehen wirklich ins Detail und scheuen keine Mühen ihre Idee und Arbeitsweise vorzustellen. Das macht das Buch tatsächlich auch lesenswert. Egal ob man im Kern mit Presumtive Design übereinstimmt oder nicht. Das Buch hilft dem Leser das Konzept dahinter zu verstehen. Jeder kann sich dann selbst überlegen ob, was oder wie viel man davon in seine eigene Herangehensweise überträgt.

Wo Presumptive Design wirklich gut sein könnte, ist in diesen unbekannten Marktregionen in welche man ab und an im Projektalltag gerät. Im Sinne des Cynefin Frameworks also im Chaotischen Bereich (und vielleicht auch im Komplexen Bereich).

Die Idee hinter Presumptive Design ist, dass man am Anfang nicht viel Arbeit in den allerersten Entwurf einer Idee stecken muss, weil eh das meiste falsch sein wird. Allein das Vorzeigen eines Entwurfs provoziert aber die Betrachter (die hoffentlich Domain Experts sind) zu ausreichend interessante Antworten.

Man erfährt möglicherweise, ob sich die Betrachter überhaupt für die Idee interessieren, ob sie sich ausreichend begeistern um gleich eigene Vorschläge einzubringen oder ob sie durch ihre Kritik gleich das interne Mental Model freilegen. Zeichnet sich da ein ökonomisch reizvolles Konzept ab? Hat die initiale Idee im Kern irgendeinen Wert? Lassen sich aus der Kritik gewisse Pattern ableiten? Und so weiter.

Because PrD is an ‘action-first’ aproach to research, it is the tool of choice for leaders facing an unknown landscape with few mileposts to guide them.

Im Kern versucht PrD sich darauf zu konzentrieren (und herauszufinden) was Nutzer wirklich brauchen. Damit denkt Presumptive Design also in die selbe Richtung wie beispielsweise Jobs-to-be-done, was gut und richtig ist.

Presumptive Design ist ein lesenswertes Buch, welches auf jeden Fall zum Nachdenken anregt. Es ist vielleicht eines der Bücher die eher für erfahrenere UXler geeignet sind. Es ist voller Ideen an denen man sich reiben und abarbeiten kann… und vielleicht übernimmt man dann doch den einen oder anderen Ansatz in seine eigene Arbeitsweise?

About Jan (501 Articles)
Informationsarchitekt und Konferenz-Veranstalter (IA Konferenz, die Konzepter-Konferenz: http://iakonferenz.org, MOBX Mobile UX Konferenz: http://mobxcon.com), Podcaster und Twitter Addict. Geboren in Prag, sesshaft in Berlin.

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