Presumptive Design

Buchbesprechung

(Bild: Nick Harris via Flickr)

Presumptive Design heißt das neue Kind im UX Block (Hangin’ Tough!). Es gibt natürlich auch ein Buch dazu: Presumptive Design (hier geht es zu Teil 2 der Buchbesprechung). Das Buch wird auf Amazon mit großem Tam Tam angekündigt:

Everything you know about the future is wrong. (…) Presumptive Design is a fundamentally agile approach to identifying your audiences’ key needs. Offering rapidly crafted artifacts, your teams collaborate with your customers to identify preferred and profitable elements of your desired outcome. Presumptive Design focuses on your users’ problem space, informing your business strategy, your project’s early stage definition, and your innovation pipeline.

Leo Frishberg, einer der beiden Autoren von Presumptive Design sagt: wir nehmen den typischen UX Design Ablauf (Research, Analyze, Build) und drehen ihn wie folgt: Build, Research, Analyze. Bei Presumptive Design geht es wie bei vielen Agile- oder Lean Methoden derzeit darum, möglichst schnell etwas zu bauen. Das überrascht nicht, denn Frishberg ist ja auch Certified Scrum Product Owner (bei Intel). Und wie viele POs, will auch er schnell und verlässlich Dinge ausliefern. Egal was, hauptsache liefern.

In der seltsamen Welt von Scrum, geht es ja im Kern darum die Maschine am Rollen zu halten. Daher ist der viel zitierte Build, Measure, Learn Prozess (den die Presumptive Design Autoren Frishberg und Lambdin fälschlicher Weise als Build, Research, Analyze bezeichnen) auch so beliebt. Man macht etwas, korrigiert es, macht wieder was und korrigiert es wieder. So torkelt man Sprint für Sprint vor sich hin. Die „Stärke“ von Scrum liegt im korrigieren und eben nicht im es richtig machen.

Die Idee hinter Presumtive Design beschreiben die Autoren im Artikel Presumptive Design: Design Research Through the Looking Glass wie folgt:

Instead of telling the stakeholders they’re not going about things right or allowing them to overinvest in what’s most likely a bad idea, you can accept their ideas without judgment, get them to unpack the assumptions that lie behind them, build junk artifacts representing their current assumptions, then, without hesitating, test these artifacts with users and watch them fail.

Presumptive Design (PrD) wird als design-led process bezeichnet that depends on crafting an artifact you offer to external stakeholders to capture their reactions. Eine seltsame Herangehensweise in der ich nichts erkennen kann, das design-led wäre.

Design to fail lautet das Mantra von Presumtive Design. Dabei ist folgendes zu beachten:

  • Da man einfach drauf los gebaut hat, sollte man nicht glauben die konzipierte Idee wäre schon die Lösung.
  • Auch wenn man sofort ans Zeichenbrett will und ohne eine Recherche-Phase sofort eine Lösung entwickeln will, sollte man nicht zu weit fortschreiten ohne Zwischenergebnisse mit Nutzern getestet zu haben.
  • Irgendwann, nach irgendeiner Iteration muss man auch mal aufhören zu versagen (design to fail) und mit seinen Ideen den vom Nutzer akzeptierten Lösungsraum betreten.
  • Zu viele Iterationen können auf Nutzer- oder Kunden-Seite zu Ermüdung und Misstrauen führen.

Im Vorwort zum Buch Presumptive Design schreibt jemand namens Joy Mountford (Senior Director, Akamai Technologies):

Historically, user experience design (UXD) professionals have focused on refining details of an artifact instead of considering what the product space might be.

Das ist natürlich völliger Unsinn. Bei Human-centered Design (HCD)—ich nehme an davon spricht Joy Mountford wenn er UXD sagt—ging es schon immer darum Probleme und Anforderungen zu verstehen. Es ging im Kern noch nie darum Details von irgendwelchen Artefakten zu verfeinern.

Später im Buch heißt es …

Titles such as The Lean Sturtup, Lean UX, and Business Model Generation are indications of how the discipline of design is moving from studio to the factory floor and ultimately to the boardroom.

Natürlich weiß jeder, der sich auch nur halbwegs mit Design beschäftigt, dass Design Wurzeln im Handwerk und der Architektur hat und was wir heute Usability oder Human Factors nennen entsprang zum Großteil militärischen Anforderungen zu Zeiten des Ersten Weltkriegs. Na ja, also dass jetzt Design aus dem Studio ausbricht und Fabrikhallen erobert, wird man als Gestalter vielleicht nicht unbedingt behaupten.

Ich kann aber verstehen, wie ein Product Owner oder Scrum Master zu dieser Vermutung gelangen kann.

(Ende Teil 1 von Presumptive Design, Teil 2 der Buchbesprechung zu Presumptive Design)

About Jan (501 Articles)
<p>Informationsarchitekt und Konferenz-Veranstalter (IA Konferenz, die Konzepter-Konferenz: http://iakonferenz.org, MOBX Mobile UX Konferenz: http://mobxcon.com), Podcaster und Twitter Addict. Geboren in Prag, sesshaft in Berlin.</p>

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  1. Presumptive Design - DESIGNBRIEF

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