Sollen Designer programmieren lernen?

Elementare Fragen

(Bild: Yuri Samoilov via Flickr)

Should designers learn how to code? Oh man, das ist offenbar echt die Frage des Jahres. Das Thema wird zwar schon seit einiger Zeit heiß diskutiert, aber dieses Jahr ist es gefühlt unter die top drei Design Themen gerutscht.

Die einfache Antwort auf die Frage ist meiner Meinung nach: Nein.

Allerdings ist sowohl die Frage als auch die Antwort komplexer als es den Anschein hat und beim groben Drüberlesen wahrscheinlich nur schwer nachvollziehbar.

Zum einen ist meistens nicht klar, was mit programmieren oder coden gemeint ist. Zum anderen wird nie genau erklärt was lernen eigentlich bedeutet.

Programmieren wird oft im Kontext von höheren Programmiersprachen verwendet und kann sich beispielsweise auf Java oder C++ beziehen. Von coden wird manchmal im Zusammenhang mit Skriptsprachen (interpretierte Programmiersprachen im Gegensatz zu kompilierten Programmiersprachen) gesprochen. Bekannte Skriptsprachen sind zum Beispiel JavaScript und PHP, aber auch Perl, Ruby, Python oder AppleScript. Die meisten Skriptsprachen sind wahrscheinlich client-seitig, aber manche kann man auch auf Servern laufen lassen. Das sind unendliche Themenkomplexe die ich hier anreiße und von denen ich auch echt kaum Ahnung habe.

Jedes dieser thematischen Rattenlöcher hat viele Abzweigungen, Geschmacksrichtungen und jährlich wechselnde Trends. Irgendwo in dem Ganzen findet man dann auch HTML und CSS. Das ist das Land von Buzzword Bingo: Node.js, CoffeeScript, Bootstrap, Foundation, SASS, LESS, GitHub … Bingo!

Während man sich in all das als Designer einlesen könnte, wird man nur durch Übung und praktische Anwendung … nein, nicht zum Meister—aber immerhin erstmal den Anfängerstatus verlassen können. Übung und praktische Anwendung sammelt man aber nur in privaten Feierabendprojekten. Denn natürlich lässt niemand blutige Hobbyentwickler an seine Kunden oder Live-Server ran.

(Bild: Gerry via Flickr)

(Bild: Gerry via Flickr)

Der lange Weg nach Irgendwo

Während man sich also als Designer mit CSS-Preprozessoren beschäftigen könnte (achtung, beeilt euch! Es sind bereits CSS Postprozessoren auf dem Vormarsch!) und während man sich in Coding Standards der Entwickler aus dem Nachbarbüro einfuchsen könnte (die sind natürlich nicht die Selben auf welche sich die Entwickler in Deinem Büro geeinigt haben) …

Pre-processors have a way of keeping us at arm’s length from from the CSS we’re building. They put on us a cognitive burden to keep up on what’s evolving in CSS itself along with the tricks we can pull off specific to our pre-processor.

(…) Post-processors typically edge out their pre- brethren in build-time speediness. And because they can be used as modular chunks, they can serve a balm for the aforementioned separation of concerns violations. (What Will Save Us from the Dark Side of CSS Pre-Processors?)

… währenddessen steigt Apple von Helvetica Neue auf San Francisco um. Was das bedeutet muss man als Designer beantworten können. Das zählt zur Kernkompetenz. Dann kommt iOS 9 mit neuen User Interface Design Ideen und der Projektleiter fragt, ob man die noch recht neue App anfassen muss die Dein Team erst vor kurzem ausgeliefert hat.

Und während man noch nachdenkt und recherchiert erscheint Android M und außerdem kommen immer öfter Leute ins Büro die fragen, wie viel Erfahrung man eigentlich mit Smartwatch UI Design hat?

Fazit

Auch als UI Designer oder Interaction Designer ist man nie am Ziel angekommen. Auch für uns ist der Weg das Ziel.

Gerade als man endlich die 100 wichtigsten Photoshop Shortcuts verinnerlicht hat, kommt Sketch daher. …Äh, wie? Du hast Dich noch nicht in Sketch eingearbeitet? OMG!

Und als man gerade in Axure an einem neuen Projekt sitzt, kommt ein Praktikant um Ecke und fragt irritiert Oh, arbeitest Du noch nicht mit Framer.js?

Quality can suffer when designers stretch themselves too thin, schreiben die Autoren von Designers Should Design, Coders Should Code.

Quality can suffer when designers stretch themselves too thin. Keeping up with everything is impractical. Designers can spend many hours learning the nuance of code when they should focus on solving problems.

In Why designers should stop coding, schreibt Sagi Shrieber:

Interfaces are getting more complex to design These days every designer must have their own arsenal of skills to deal with way more complicated interfaces then ever before. The number of platforms grew exponentially. Designers must know how to use different design patterns for each, while still preserving the DNA of the brand.

Es ist schwer und komplex ein guter Designer zu sein. Genauso wie es eine Herausforderung ist, ein guter Entwickler zu sein. Gegenseitiges Verständnis und Einfühlungsvermögen sind für effektive Projektarbeit unabdingbar.

Also, sollen Designer programmieren lernen? Nein, aber es hilft natürlich ein klein wenig Ahnung von der Arbeit des jeweils Anderen zu haben. Es erleichtert die Kommunikation und hilft manchmal bessere Problemlösungen vorzuschlagen. Aber um wirklich programmieren zu lernen, fehlt Designern schlicht und einfach sehr oft die Zeit.

Natürlich sollte man das als Designer nicht als Ausrede nutzen. Beispielsweise kann man mit HTML und CSS sehr weit kommen, bevor der Weg anfängt ungemütlich steil zu werden. Andererseits geht es mit dem Web doch ganz schön bergab. Vielleicht sollte man sich als motivierter UI Designer eher auf Swift konzentrieren.

Hier sind zwei ganz gute und kostenlose Mini-Kurse: Prototyping in Swift for Designers und Android Studio for Designers.

As a designer, the more you specialize, the more you benefit the team. But solving problems isn’t enough. Understanding what’s possible in HTML, CSS, JS will help designers create practical web designs—products that developers can actually build, and that clients can maintain. Products that work well in the wild. Products that users use.

About Jan (501 Articles)
<p>Informationsarchitekt und Konferenz-Veranstalter (IA Konferenz, die Konzepter-Konferenz: http://iakonferenz.org, MOBX Mobile UX Konferenz: http://mobxcon.com), Podcaster und Twitter Addict. Geboren in Prag, sesshaft in Berlin.</p>

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