Training Within Industry (TWI)

Training Within Industry (TWI) (Bild: Robert Couse-Baker via Flickr)

Die Geschichte von TWI (Training Within Industry) wird so erzählt: zur Mitte des zweiten Weltkrieges schalteten sich die Amerikaner in den Krieg ein (Japan hatte die USA angegriffen und weil Japan und Deutschland Verbündete waren, befanden sich plötzlich die Vereinigten Staaten mit dem Deutschen Reich im Krieg). Amerikanische Männer zogen in den Krieg und gleichzeitig wurde Daheim die industrielle Produktion gesteigert.

Die meisten Fachexperten waren aber im Krieg. Es musste ein Prozess her, der schnell und verlässlich und reproduzierbar Hausfrauen und Laien das Erlernen von Produktionsschritten ermöglichen sollte. Aus dieser Zeit stammt die Marketing Kampange Rosie the Riveter (Rosie der Nieter—oder die Nieterin).

Rosie the Riveter

Rosie the Riveter

So wurde TWI (Training Within Industry) erdacht. TWI hatte recht bald drei Komponenten: JI (Job Instructions), JR (Job Relations) und JM (Job Methods). Kurzgesagt geht es bei JI, JR und JM um die Ausbildung von Ausbildern, den Faktor Mensch und die Optimierung von Prozessen.

Before we make cars, we make people. (Angeblich eine Redensart bei Toyota)

JI: Job Instruction

JI betrachtet das Training der Ausbilder und das Erlernen festgelegter Prozesse. JI etabliert Standards und schult Ausbildungsprozesse.

JR: Job Relations

Hierbei wird gelehrt wie man Menschen (Mitarbeiter) führt und Beziehungen aufbaut. Ein guter Anführer erzielt Ergebnisse durch die Arbeit seiner Kollegen (und eher weniger durch eigene, fachliche Arbeit).

Poor is the pupil who does not surpass his master. (Leonardo da Vinci)

Die Job Relations Komponente stärkt durch Respekt und vernünftigen Umgang mit Mitarbeitern die Job Instructions Komponente.

JM: Job Methods

Bei JM geht es um die Frage, wie man direkt am Arbeitsort (Gemba) Prozesse verbessern kann, wohlwissend dass vielleicht die eigentlichen Fachexperten gerade nicht anwesend sind (das waren ja damals meistens Männer und die waren im Krieg).

Toyota Production System (TPS)

Nach dem zweiten Weltkrieg beteiligten sich die Amerikaner sofort am Wiederaufbau Japans (um den sich ausbreitenden Kommunismus ihres Partners China im Zaum zu halten). Nachdem sich TWI daheim in den Vereinigten Staaten sehr bewehrt hatte, wurde es nach Japan gebracht und dort angewendet.

Eines der Japanischen Unternehmen in die TWI (Training Within Industry) eingeführt wurde war Toyota. Dort fiel TWI auf sehr fruchtbaren Boden, denn der berühmte Toyota Ingenieur Taiichi Ohno war gerade dabei neue Prozesse zu erarbeiten die später das Toyota Production System (TPS) bilden sollten.

Was heutzutage als The Toyota Way bekannt ist, mit den beiden Hauptkomponenten kontinuierliche Verbesserung (Kaizen) und respektvoller Umgang mit Menschen, wurde wahrscheinlich durch den Kontakt mit TWI beeinflusst.

Aus TPS wurde Lean Enterprise und daraus dann Lean Startup und schließlich landete ein Buch namens Lean UX auf unseren Schreibtischen.

Training Within Industry (TWI) gibt es noch immer, auch wenn es vielerorts (z. B. in der UX-Szene) völlig unbekannt ist. Und die bohrenden Fragen sind auch etwa 70 Jahre später noch aktuell:

  • Wie bildet man erfolgreich neue Mitarbeiter aus?
  • Wie produziert man für Kunden wertvolle Produkte?
  • Wie verbessert man sich stetig weiter?
About Jan (501 Articles)
Informationsarchitekt und Konferenz-Veranstalter (IA Konferenz, die Konzepter-Konferenz: http://iakonferenz.org, MOBX Mobile UX Konferenz: http://mobxcon.com), Podcaster und Twitter Addict. Geboren in Prag, sesshaft in Berlin.

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