Walled Garden

Gastbeitrag vom 12 März 2029

Blumen im Garten (Bild: Tom Hannigan via Flickr)

Ach es blüht so herrlich bei uns im walled garden. Alles ist so wunderbar ordentlich und geregelt. Und man kann hier alles machen—zumindest alles was man als normaler, sorgsamer Onlinebürger so möchte.

Angeblich gibt es irgendwo irgendwelche Mauern. Mauern natürlich nur in Anführungszeichen. Ist ja alles digital. Ich habe noch nie welche wahrgenommen. Und selbst wenn es diese vermeintlichen Mauern gäbe, wer will schon ernsthaft diese schönen Gärten verlassen?

Von welchen Gärten ich spreche? Na früher—also sagen wir mal vor grob 10 Jahren (das muss so 2015 gewesen sein)—da sprach man viel von walled garden. Heute ist das natürlich Alltag, aber im guten Sinne!

Ich bin den ganzen Tag im Prinzip in der Facebook App. Ich kenne auch einige Leute die durchaus verschiedene Apps nutzen (Twitter, Medium, Telegram …) aber wirklich nötig ist das nicht. Na ja, wir nutzen natürlich alle noch die eine oder andere digitale Assistentin. Siri, Cortana, Alexa, Xiaoice und wie sie alle heißen. Aber immer landet man in irgend einem Garten … sorry, in einer App.

Aber jede dieser Apps ist heute besser als das was man früher das Web nannte. Was auch immer früher im Web angeblich los war, nach dem großen AdBlocker Krieg von 2016 ist es doch ziemlich inhaltsarm und langweilig geworden.

Eine zeitlang sah es ja so aus, als ob Google das freie Web retten würde. Ausgerechnet Google! Na ja, schließlich ist ihre gesamte Suche (und Umsatzstrategie) damals auf das Web ausgerichtet gewesen. Aber als sich dann die großen Vier (Amazon, Alibaba, Tencent, Facebook) mit Apple verbündeten gab es plötzlich überall AdBlocker.

Kleine Magazine, Blogger, Publisher, Mikroproduzenten und private Initiativen oder Plattformen machten als erste dicht, beziehungsweise kippten ihre Inhalte nun in Apps ein. Es erblühte ein walled garden nach dem anderen.

Natürlich haben wir heutzutage noch immer Werbung. Aber weil wir uns registriert und eingeloggt nur noch in Apps aufhalten, wissen Werbeplattformen ja eh wer wir sind. Das hässliche Tracking fällt weg. Werbung ist jetzt viel persönlicher. Werbung und Inhalte sind oft kaum noch auseinander zu halten. Das ist doch gut für Nutzer und für Anbieter, oder?

Ach, und außerdem: hat nicht Steve Jobs höchstpersönlich damals mit dem iPhone den Untergang des Webs eingeleitet? Irgendwie schließt sich da der Kreis auch wieder: das World Wide Web entstand auf Jobs’ NeXT Computer und versank in einem Meer aus iPhones. Ein schönes Bild.

Und was ist aus den Bloggern und Berichterstattern und den freien Medien geworden? Die haben alle auf Facebook eine neue Heimat gefunden.

Ende gut, alles gut.

About Jan (501 Articles)
<p>Informationsarchitekt und Konferenz-Veranstalter (IA Konferenz, die Konzepter-Konferenz: http://iakonferenz.org, MOBX Mobile UX Konferenz: http://mobxcon.com), Podcaster und Twitter Addict. Geboren in Prag, sesshaft in Berlin.</p>

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